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Gesamtansicht Reuschenberger Mühle© Bernd Uhlen, 2022
18.10.2026

Wir werden doch noch fertig …

Leverkusen

... und blicken voraus auf 2027

Zum Jahresende 2026 biegen die Korrekturläufe unserer Dokumentation zur Reuschenberger Kunstmühle (Leverkusen) auf die Zielgerade  – damit beenden wir die letzte große 2026er Arbeit!
Das Ganze hat super viel Freude gemacht, aber all diese mühsamen Korrekturen zaubern im Oktober leider noch keinen tiefen Frieden auf die Seele oder in den Kopf. Noch regiert die kühle Rationalität, und der Geist weigert sich beharrlich, nach acht Jahren Forschung zur Ruhe zu kommen.

Aber – das fertige Werk wird Anfang 2027 gedruckt vorliegen! – Versprochen!!!

Wir wollen nun schon mal ein „Ankosten“ des Inhalts der zukünftigen Leserschaft nicht vorenthalten und kurz davon berichten, was richtig viel Spaß gemacht hat, nämlich die Forschung zu zwei der vielen Akteure der Kunstmühle, zu Franz Egon Graf von Fürstenberg-Stammheim (1797–1859) und Joseph Watremez (geboren 1815). Ihre Zusammenarbeit und   Verbundenheit, die von großem gegenseitigen Vertrauen geprägt war, hat die Kunstmühle ab 1857 zu einem Motor der feinen Mehlfabrikation für das Umland Köln-Düsseldorf-Bonn gemacht.

Der adlige Eigentümer und Bauherr Franz Egon Graf von Fürstenberg-Stammheim – einer der reichsten Großgrundbesitzer in Rheinland und Westfalen, Retter des Altenberger Domes und erster Ehrenbürger der Stadt Köln, der zeitlebens ein feiner Geist und Geschäftsmann war – zeigte sein Interesse für neuartige Erfindungen und Modernisierungen nicht zu letzt im Ausbau seiner 1847/48 erbauten Kunstmühle. Dafür stand ihm ab 1857 Joseph Watremez als technischer Direktor zur Seite. Watremez war ein umtriebiger Müller, Kaufmann, Erfinder, eben ein „Selfmademan“ mit französisch-belgischen Wurzeln. Er brachte theoretisches Wissen und praktisches Können aus Aachen sowie Witten an der Ruhr mit auf die Fürstenbergische Kunstmühle und war als Inhaber von nachweisbar zwei Patenten ein fortschrittlicher, kluger Mensch. Seine Netzwerke reichten bis nach Paris und führten 1857 zum Einbau eines französischen Trieurs in Reuschenberg, dem nach aktuellem Forschungsstand ältesten Nachweis dieser Reinigungsmaschine im ehemaligen Preußen!

Auszüge aus Briefen Fürstenbergs an Watremez aus November / Dezember 1856 verdeutlichen ihr  Vertrauensverhältnis:

" [...] Nach der Rückkehr von einer mehrtägigen Abwesenheit habe ich soeben Ihr Schreiben vom 14. dieses Monats erhalten. Und ich zögere nicht, Ihnen mitzuteilen, dass Ihr Vorschlag mir Ihr Vertrauen in mich beweist. [...]  Sie wissen wahrscheinlich, wie die Angelegenheiten des Betriebs der Mühle in Reuschenberg geregelt sind: Ich habe dort das, was man auf Deutsch einen „Verwalter“ und einen „Buchhalter“ nennt und in Köln einen Kommissionär für den Einkauf von Weizen und gleichzeitig für den Absatz von Mehl in Köln und den benachbarten Orten; weitere Kommissionäre für den Absatz von Mehl befinden sich in Düsseldorf, Elberfeld usw. Mein System verbietet es, zu spekulieren, das heißt, große Mengen Weizen im Voraus zu kaufen. Ich mag das große Spiel nicht, obwohl ich sehr wohl weiß, dass man ohne ein gewisses Risiko weder gewinnt noch eine große Chance hat, viel zu gewinnen; aber ich weiß auch, dass man die Möglichkeit hat, viel zu verlieren. Indem ich die goldene Mitte halte, mache ich sehr gute Geschäfte, was mir die Bilanz beweist, die ich alle drei Monate erstellen lasse. Die Hauptsache ist, dafür zu sorgen, dass man allzeit zufrieden mit dem Mehl ist, und das ist es, was ich mit Freude von allen Seiten höre. [...] Neben der Getreidemühle habe ich dort auch eine Ölmühle mit Turbine, Apparaturen und hydraulischen Pressen, die sehr gut eingerichtet ist. Wenn Sie mir Ihre Wünsche beziehungsweise Ihre Bedingungen mitteilen möchten, werde ich sie mit Freude entgegennehmen und mich Ihnen gegenüber offen erklären.
Ich grüße Sie von Herzen und zeichne als Ihr sehr ergebener F. G. v. F.
"

" [...] Ihr Zimmer in der Mühle ist neu hergerichtet, und Sie werden ein ganz neues Bett vorfinden. Wenn Sie eine unmittelbare Verbindung von Ihrem Zimmer in die Mühle wünschen, und zwar mit einer Doppeltür in der Mauer, so lässt sich das sehr leicht bewerkstelligen; denn die Öffnung für eine Tür ist bereits vorhanden, aber bis heute wird diese Öffnung als Schrank genutzt. Diese Tür führt in den Raum, in welchem die Beutelkästen aufgestellt sind – ich habe den französischen Namen vergessen. Ich wünsche Ihnen sowie Ihrer Frau Gemahlin frohe Festtage, und ich hoffe, dass wir uns im nächsten Jahr in guter Gesundheit wiedersehen; bis dahin grüße ich Sie von Herzen, und ich bin ihr sehr ergebener F. E. G. v. F."

„[...] Ich hoffe, dass wir nicht nur ein Jahr, sondern viele Jahre lang miteinander zufrieden sein werden.  [...] Und um zufrieden zu sein, muss man offen zueinander sein; Sie können meinerseits auf mein volles Vertrauen zählen, ebenso wie ich von dem Ihrigen überzeugt bin. [...] Ich hoffe, dass Sie Ihr Möglichstes tun werden, um die Zügel der Geschäfte in Reuschenberg zum 1. des Monats Januar 1857 zu übernehmen. Ich bin Ihr sehr ergebener F.“ 

Weitere Informationen zur Dokumentation wie Erscheinungstermin, Subskriptionspreis und Bezugsmöglichkeiten (ISBN) werden vom RMDZ rechtzeitig bekannt gegeben.

Freuen Sie sich mit uns auf eine Publikation, die neue Einblicke in die regionale Industriekultur eröffnet.

 

Glück zu! (gmo)
 

Cover der Dokumentation
Frontansicht der Kunstmühle© Uta Büchel, 2018
Gesamtansicht der Rückfront© Bernd Uhlen, 2022
Eingang zur Müllerwohnung© Uta Büchel, 2018
Rechenanlage© Rüdiger Hagen, 2020
Eingang zum Generatorenraum© Bernd Uhlen, 2022
Ansicht der Mühle© FStA 18,56
Querdurchschnitt© FStA 18,56

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